Aquaristik – Die farbenprächtigen Korallen – Sie brauchen Licht, um nicht zu verhungern

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Meerwasseraquarien gehören zu den prachtvollsten Unterwasserlandschaften in der Aquaristik
– Foto: FLH.

Aquaristik – Meerwasseraquarien gehören zu den prachtvollsten Unterwasserlandschaften in der Aquaristik. Besonders der Besatz mit bunten und interessant geformten Korallen übt auf den Betrachter eine besondere Faszination aus. Es ist eine beeindruckende Welt, wie man sie sonst nur als Taucher oder Schnorchler im Urlaub entdecken kann. „Ein Meerwasseraquarium in den eigenen vier Wänden zu pflegen, ist heute nicht mehr so schwierig wie noch vor ein paar Jahren“, sagt Stefan Schmölzing von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V. (FLH). „Durch neue Aquarientechnik und verbesserte Produkte hält sich der Aufwand in Grenzen. Bei Aquaristik-Einsteigern sind seit einigen Jahren besonders die kleinen Nano-Meerwasseraquarien sehr beliebt – also Becken mit einem Volumen unter 150 Litern. Auf Grund ihrer geringen Größe sind sie deutlich günstiger und können auch mit weniger Technik betrieben werden. Gerade bei diesen Nano-Becken liegt der Fokus überwiegend auf der Pflege von wunderschönen Korallen, denn für die meisten Fische sind sie zu klein.“

Aus deutschen Nachzuchten

Die Vielfalt der Korallen ist mit rund 6.000 verschiedenen Arten recht beachtlich. Ihr farbenprächtiges Aussehen und die Tatsache, dass sie am steinigen Meeresboden festgewachsen sind und Kolonien bilden, lassen vermuten, dass es sich bei Korallen um Pflanzen handelt. Es sind jedoch Nesseltiere. Korallen sind von polypenartiger Gestalt und können von nur wenigen Zentimeter bis weit über einem Meter groß sein. Am bekanntesten ist wohl die Gruppe der Steinkorallen, die bei der Entstehung der Korallenriffe in den Meeren eine entscheidende Rolle spielen. Sie entziehen dem Wasser Calcium und andere Mineralstoffe und bilden daraus ein napfförmiges Kalkskelett, das ihren farbigen Körper umschließt und in das sie sich bei Gefahr zurückziehen können. Abgestorbene Kolonien werden immer wieder von neuen Generationen überwuchert, sodass im Laufe der Zeit das Kalkgebilde immer größer wird. Unterschieden werden die diversen Arten der Steinkorallen durch die Größe ihrer Polypen: So gibt es SPS-Korallen (Small Polyp Scleractinians) und LPS-Korallen (Large Polyp Scleractinians).

Eine weitere bedeutende, artenreiche Gruppe sind die Oktokorallen. Im Unterschied zu den Steinkorallen besitzen die meisten kein festes Kalkskelett und sind daher auch nicht an der Bildung von Riffen beteiligt. Unterschieden werden sie je nach Wuchsform oder Festigkeit in Weich-, Leder-, Röhren- oder Hornkorallen, Seefächer oder Seefedern. Aber auch wenn sich ihr Aussehen in Farbe und Form sehr unterscheiden kann, alle Oktokorallen haben eine Gemeinsamkeit: die achtstrahlige Symmetrie der Einzelpolypen, die vielfach an kleine Blüten erinnern.

„Immer mehr Korallen, die heute in Zoofachhandlungen angeboten werden, stammen aus Züchtungen hier in Deutschland“, unterstreicht Schmölzing. „Das ist eine sehr positive Entwicklung der letzten Jahre! So werden immer weniger Nesseltiere den Meeren entnommen und importiert. Es hat sich außerdem gezeigt, dass die Nachzuchten besonders gut an die Lebenssituation in einem Aquarium angepasst sind.“

Lichtspektrum und Wasserströmung

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Die Vielfalt der Korallen ist mit rund 6.000 verschiedenen Arten recht beachtlich. – Foto: FLH.

Unter den Korallen gibt es Arten, die aktiv Nahrung aufnehmen müssen. Diese in einem Aquarium zu pflegen, ist sehr schwer und aufwändig. Die meisten ernähren sich jedoch auf eine für Tiere eher ungewöhnliche Weise: Sie leben in Symbiose mit sogenannten Zooxanthellen. Das sind einzellige Algen, die in den Polypen der Korallen eingelagert sind. Durch Photosynthese produzieren sie bei ausreichendem Lichteinfall Zuckerverbindungen und Aminosäuren – Nährstoffe, die den Korallen zum Leben ausreichen. „Darum ist bei diesen Nesseltieren auch im Aquarium keine zusätzliche Fütterung notwendig“, sagt Schmölzing. „Zu bedenken ist aber: Der Lichtbedarf ist von Art zu Art unterschiedlich. Das muss sowohl bei der Beleuchtung als auch bei der Standortauswahl für die einzelnen Korallen innerhalb des Beckens berücksichtigt werden. Damit sie nicht verhungern, ist ebenfalls das richtige Lichtspektrum entscheidend. Viele Korallen benötigen beispielsweise eine Kombination aus blauem und weißem Licht.“

Wie das Licht ist auch die Wasserströmung in einem Meerwasseraquarium besonders wichtig. Strömungspumpen, die die Bewegungen des Meeres simulieren, sorgen dafür, dass die Korallen einen guten und kontinuierlich hohen Durchlauf an frischem Wasser bekommen. So werden Schwebe- und Abfallstoffe von den Tieren fortgespült und sie werden mit ausreichend Sauerstoff und zusätzlichen Nährstoffen versorgt. Damit die Nesseltiere auch im heimischen Aquarium ihre intensiven, teilweise sogar fluoreszierenden Farben zeigen und leuchten, benötigen sie Spurenelemente, die regelmäßig dem Wasser zugesetzt werden. Die meisten Korallen fühlen sich bei Wassertemperaturen von 24 bis 26 Grad Celsius am wohlsten.

„Die Haltungsanforderungen der einzelnen Korallen unterscheiden sich je nach Art, manche sind anspruchsvoller und empfindlicher als andere“, so Schmölzing. „Die langpolypigen Steinkorallen beispielsweise sind erfahrungsgemäß leichter zu halten als SPS-Korallen, da sie sich in der Regel mit weniger Licht und einer geringeren Strömung begnügen. Für Aquaristik-Neulinge sind besonders Weich- und Hornkorallen zu empfehlen. Sie sind sehr robust und pflegeleicht und haben recht geringe Ansprüche an ihre Umgebung.“

Quelle: FLH

 

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